Projekt Entraumatisierung
Inspiriert hat uns unser Bundespräsident Köhler. Mit der Ausstellung “Flagge zeigen?” sind wir auf das Enttraumatisieren durch Design aufmerksam geworden.
Das Verhältnis der Deutschen zu ihren Nationalsymbolen steht im Mittelpunkt dieser Ausstellung, die im Moment im Haus der Geschichte in Bonn gezeigt wird.
“Es ist gut, die Geschichte des geteilten und wiedervereinigten Deutschlands auch im Spiegel seiner Nationalsymbole zu erzählen”, sagte Köhler. Der “Vorrat” an solchen Symbolen für Gemeinsamkeit, Leistung und Verantwortung, die alle verstünden und die allen wichtig seien, wachse noch. Er nannte die Reichstagskuppel, das Holocaust-Mahnmal und die Dresdner Frauenkirche.
Wir bedauern den immer noch zögerlichen Gebrauch einer deutschen Nationalsymbolik. Gerade mal zur WM trauen wir uns unter massivem Alkoholkonsum, einmal Flagge zu zeigen. Die Übergriffe auf MigrantInnen in Dresden interpretieren wir auch als unterdrückten Patriotismus, der dann schubartig entladen werden muss. Dem wollen wir Abhilfe schaffen.
In Anlehnung an die Designerin Cindy van den Bremen, die sportliche Kopftücher für muslimische Frauen designt, wollen wir das Anti-Trauma-Kopftuch für DresderInnen und Dresdner designen. Ästhetik und Körperlichkeit geben sich hier die Hand, und die Traumatisierten können ihr Innen mit dem Außen in kongruente Harmonien einschreiben.
Das Material für die Kopftücher soll ein in Dresden produzierter Stoff aus Baumwolle sein. Unserer Erfahrung nach hat der Dresdner/die Dresdnerin gerne etwas Konventionelles. So wie unser Präsident Köhler die Tragödien und die Errungenschaften der Deutschen nebeneinander stellt, wollen auch wir die Schicksale aller in den Jahren 1933-1945 ästhetisieren.
Unter Berücksichtigung verschiedener Sensibilitäten erarbeiten wir ein Design, dass eine Verschränkung der europäischen Leidensgeschichte visualisiert. Jede Familie kann ihre ganz individuellen in ihrer eigenen Bildsprache an uns heran tragen und wir gestalten dann ein Kopftuch nach der jeweiligen Traumatisierung. In unseren Studien bis zu diesem Vorschlag erprobten wir diese Methode mit der eigenen Familie.
Die Ergebnisse waren hoch interessant. Ein Opa verschmolz das eigene bis dahin noch nie gezeigte SS-Abzeichen mit einem Raben, der für ihn für die Verwüstung Dresdens steht. Er trägt sein Kopftuch heute in der Medak mit Stolz. Ein kleiner Konkurrenzkampf der Leidensgeschichten hat auf dieser Abteilung nun angefangen. Die anderen Patienten haben nun auch Aufträge an uns ausgegeben. Wir collagieren gerade die verschiedenen Traumata eines älteren Herrn, der in Stalingrad Selbsturinierung praktizierte mit seinen Erfahrungen auf dem Weg gen Westen. Auch hier spielen Bomben eine große Rolle. Für diese Klientel ist das Kopftuch natürlich abwaschbar.
Aber auch jüngere Klienten verarbeiten ihre Traumata:
Eine junge, in der Ukraine angespuckte, Dresdnerin designte mit uns zusammen ihr Antitraumatisierungs-Kopftuch. Wir sagen nur soviel, es ist auch abwaschbar.
Ein weiterer Aspekt ist das in den öffentlichen-Raum-Tragen-von-Enttraumatisierung. Am 13. Februar wird Dresden wie eine muslimische Stadt ausschauen und auch das kann ja die Nazis aus der Stadt treiben! Thomas D. von den Fantastischen Vieren wird auch mit einem Kopftuch entzücken!